Das "Powerpaket"
Kartoffeln haben es "faustdick" unter der Schale - und damit sind nicht etwa die Kalorien gemeint, denn der Kaloriengehalt von Kartoffeln ist mit 68 kcal ( bzw. 285 kJ ) je 100g recht moderat. Sie eignen sich daher besonders für eine kalorienbewußte Ernährung oder als leckerer "Sattmacher" bei Diäten, die zudem die Verdauung anregen. (Allerdings sollte man dann auf die Soßen besser verzichten....) Üppig versorgt ist die Kartoffel jedoch mit wertvollen Inhaltsstoffen. Sie liefert leicht verdauliche Kohlenhydrate in Form von Stärke, pflanzliches Eiweiß und reichlich Ballaststoffe. Hinzu kommen 11 lebenswichtige Vitamine, darunter in größerem Umfang B1, B2, B6, C, Niacin und Panthothensäure. Weiterhin sind 15 verschiedene Mineralstoffe und Spurenelemente nachgewiesen. Besonders hoch ist dabei der Gehalt an Kalium, Magnesium und Eisen sowie an Fluor, Kupfer, Zink, Phosphor und Kobalt. Um das Gesunde in der Kartoffel zu erhalten, sollte man sie möglichst nach dem Kochen schälen bzw. "pellen", denn die Schale verhindert, dass sich die Nährstoffe verflüchtigen.
"Siegeszug der Knolle"
Auch wenn sie relativ unscheinbar aussieht - keine anderes Gemüse erreicht die Popularität der Kartoffel. Das liegt sicherlich zum einen an ihrem guten Geschmack, maßgeblich aber auch daran, dass sich Kartoffeln unendlich variantenreich zubereiten lassen. Der "Pro-Kopf-Verbrauch liegt in Deutschland bei 67 kg pro Jahr, wobei es natürlich starke regionale Unterschiede gibt und Convenienceprodukte einen großen Anteil am Gesamtverbrauch einnehmen.
Ursprünglich kam die Kartoffel in Europa nicht vor - ihre Heimat liegt in den Anden, wo sie nachweislich seit dem 8. Jahrtausend v. Chr. verzehrt wird. Europa erreichte die Kartoffel erst im 16. Jahrhundert, als der spanische König Phillip zusammen mit anderen indianischen Geschenken auch einige Kartoffelknollen erhielt. Sie wurde also hoffähig - allerdings zunächst nur als Zierpflanze, denn Kartoffelstauden blühen wunderschön. Wem wir es letztendlich zu verdanken haben, dass die Knollen schließlich doch im Kochtopf landeten, ist nicht bekannt. Vermutlich aber fanden Seefahrer als erste heraus, dass der Verzehr von Kartoffeln sie auf langen Schiffsreisen vor Skorbut schützen konnte.
Bei uns kamen Kartoffeln erstmals im 17. Jahrhundert auf den Teller. Ihren Siegeszug trat sie von Süddeutschland aus an - genauer gesagt von der Pfalz aus. Um 1720 erreichte sie Preußen - wo sie zunächst auf eisige Ablehnung stieß. ( Vielleicht rührt daher das Sprichwort "was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht" ). Die Ernährung der ständig anwachsenden Bevölkerung war aber immer schwieriger geworden und jede Missernte beim Getreide führte zu Hungersnöten. Friedrich der Große ( der "Alte Fritz" ) erkannte jedoch die Bedeutung der Knolle und befahl ihren Anbau.
Der Widerstand jedoch blieb und so bediente sich der "Alte Fritz" eines einfachen Tricks. Er weckte "Begehrlichkeiten" bei der Bevölkerung, indem er die Kartoffeln von Soldaten bewachen ließ - dadurch entstand der Eindruck, es müsse sich um etwas ganz besonderes Kostbares handeln. Jedoch nur langsam kam der Anbau in Schwung und erst seit dem 19. Jahrhundert ist die Kartoffel eine Selbstverständlichkeit auf deutschen Tellern.
Sortenvielfalt
Im Bereich der EU sind etwa 450 verschiedene Sorten erfasst - 120 davon sind in Deutschland zum Anbau zugelassen. Durch Kreuzungen entstanden im Verlauf der Jahrhunderte hinsichtlich Ertrag und Geschmack die für unsere Bedürfnisse optimalen Sorten. Eine "Einheitsknolle" wurde aus der Kartoffel jedoch nie - die verschiedenen Sorten unterscheiden sich nicht nur in Aussehen und Geschmack, sondern auch in den Kocheigenschaften. Etwa 50 % der jährlichen Ernte in Deutschland wandert als Speisekartoffel auf den Teller der Verbraucher, die andere Hälfte geht zur Weiterverarbeitung in die Industrie und landet anschließend als Kartoffelerzeugnis oder Speisestärke in unseren Küchen.
Eine Genbank in der Nähe von Rostock verwaltet übrigens über 2140 Muster von Kultur- und 140 Muster von Wildkartoffelarten aus Süd- und Mittelamerika. Die Genbank hat die Aufgabe, Samen und Knollen zu sammeln und die Artenvielfalt auf Dauer zu sichern.
Anbau und Ernte
Kartoffeln gehören zu den Nachtschattengewächsen. Sie werden in den Monaten März und April gesetzt, d.h. die "Mutterknollen" kommen in den Boden und entwickeln oberhalb des Bodens grünes Laub und attraktive Blüten, unterhalb der Oberfläche wachsen die Kartoffeln. Die Pflanzkartoffeln bilden Wurzeln und je nach Bodenbeschaffenheit bis zu 25 Tragfäden aus, die sog. "Stolonen". An den Enden dieser Tragfäden entstehen als Verdickung die Kartoffeln - diese bilden das Nährstoffdepot der Pflanze und sind daher für den menschlichen Verzehr so wertvoll. Kartoffeln sind "lichtscheu" - lagert man sie nicht dunkel, so werden sie grün und es bildet sich Solanin. Dieser Stoff macht die Kartoffel unverträglich - daher sollte man grüne Kartoffeln nicht verzehren. Überwiegend grüne Kartoffeln sollte man wegwerfen, haben die Kartoffeln kleinere grüne Stellen, so kann man diese beim Schälen großzügig wegschneiden. Auch die Keime älterer Kartoffeln enthalten Solanin und müssen vor der Zubereitung entfernt werden. Die Erntezeit der Kartoffeln ist von Mai bis Oktober und je nach Zeitpunt unterscheidet man dann frühe, mittelfrühe und mittelspäte bis sehr späte Sorten. Diese späten Sorten eignen sich gut zur Einkellerung - die Kartoffel ist somit ein echtes Ganzjahresprodukt.
Frühe Kartoffeln haben eine zarte Schale und müssen nicht geschält werden. Es reicht, sie unter fließendem Wasser gründlich abzubürsten. Mit zerlassener Butter oder Sauce Hollandaise sind sie übrigens der ideale Begleiter zu Spargel. Aufbewahren muss man diese frühen Sorten jedoch unbedingt im Dunkeln, denn sie werden besonders schnell grün. Zum Einlagern eignen sich diese Sorten übrigens nicht.
Mittelfrühe Kartoffeln werden etwa ab Mitte August geerntet; sie sind die "Allrounder" und eignen sich für alle Kartoffelgerichte.
Mittelspäte bis späte Sorten kommen erst ab Mitte September bis Ende Oktober in den Handel. Auch sie sind in der Küche universell einsetzbar und eignen sich optimal zum Einlagern.
Einige Tipps : Wenn Sie Pellkartoffeln zubereiten möchten, dann entfernen Sie die Schale, solange die Kartoffel noch heiß ist. Nach dem Erkalten läßt sich die Schale nur noch mühsam entfernen. Bei der Zubereitung im Dampfkochtopf bleiben die Nährstoffe weitestgehend erhalten, gleiches gilt für das Kochen mit der Schale. Wenn Ihr Silberbesteck Flecken aufweist, dann können Sie diese mit einer rohen Kartoffel einfach wegreiben.